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Psychanalyse / Philosophie 2008-2009 | Séminaire "Freud, Lacan, Derrida"

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Michael TURNHEIM — 2008-2009

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— FREUD, LACAN, DERRIDA

Universitätsdozent Dr. Michael Turnheim:

Medizinische Universität Wien

2009: Vorlesungen am Freitag 6.3., 3.4., 15.5. und 19.6.2009, jeweils von 16-18h, zusätzliche Vorlesung Mittwoch 3.6.2009 von 13-18h

Hörsaal B der Hörsäle am Südgarten
(Allgemeines Krankenhaus, Universitätsklinik für Psychiatrie, 1090 Wien Währinger Gürtel 18-20).

Die Psychoanalytiker haben lange geglaubt, dass es nur ein einziges Mittel gebe, sich von dem gierigen Weib, das in ihren Augen die Mutter ist, zu befreien – den Vater. Nur durch die segensreiche Wirkung des Gesetzes des Vaters, meint Lacan (der „klassische“ Lacan zumindest: seine Vorstellungen haben sich später etwas gewandelt), vermag der Sprössling aus der ihn beengenden ersten Identifizierung mit dem Objekt des Begehrens der Mutter herauszufinden. Schon in Freuds Der Mann Moses und die monotheistische Religion wurde die Wendung zum Vater als höher stehendem Prinzip gelobt: „Aber diese Wendung von der Mutter zum Vater bezeichnet überdies einen Sieg der Geistigkeit über die Sinnlichkeit, also einen Kulturfortschritt, denn die Mutterschaft ist durch das Zeugnis der Sinne erwiesen, während die Vaterschaft eine Annahme ist, auf einem Schluss und auf eine Voraussetzung aufgebaut.“ Nun hat aber das Bedauern der zunehmende Vaterlosigkeit und der Modernität insgesamt inzwischen ein bisschen an Glaubwürdigkeit eingebüsst. Warum noch an die armen Väter Forderungen stellen, wenn sie seit dem Untergang des Patriarchats längst schon ihre einstige Macht verloren haben? Und was ist denn eigentlich so ungeheuerlich an der Mutter?

Literatur:

  • Derrida, „Die Struktur, das Zeichen und das Spiel im Diskurs der Wissenschaft vom Menschen“, in Die Schrift und die Differenz
  • Derrida, „Préjugés devant la loi“, in La faculté de juger
  • Derrida, „La Veilleuse“, in Jacques Trilling, James Joyce ou l’écriture matricide, Belfort, Circé, 2001, S. 7-32
  • Freud, Totem und Tabu, in Standardausgabe, Bd. IX
  • Lacan, „Die Familie“, in Schriften III
  • Lacan, „Funktion und Feld des Sprechens und der Sprache“, in Schriften I

Publications


Medizinische Universität Wien

2008: Vorlesungen am 10.10., 21.11. und 12.12.,
2009: Vorlesung am 16.1.,

jeweils von 16-18h,

Hörsaal B der Hörsäle am Südgarten
(Allgemeines Krankenhaus, Universitätsklinik für Psychiatrie, 1090 Wien Währinger Gürtel 18-20).

In seinem Seminar Die Objektbeziehung (1956/57) kommentiert Lacan Freuds berühmten Text über den kleinen Hans. Während Freud die kindliche Phobie im Wesentlichen als Auswirkung der Verdrängung der Sehnsucht nach der Mutter deutet, wird Lacans Lektüre durch seine damals neue Theorie der Vatermetapher bestimmt. Die kindliche Pathologie, meint Lacan, beruht auf der „Karenz“ des Vaters, der dem Drängen seines Sohnes, ihn endlich aus der beklemmenden Welt des mütterlichen Begehrens zu befreien, nicht gerecht zu werden vermag. Obwohl Lacans Sichtweise zahlreiche bis dahin kaum berücksichtigte Aspekte des Falls zu verstehen erlaubt, kann man sich fragen, ob die Problematik des kleinen Hans nicht auch anders gedeutet werden könnte. Unter Berufung auf Derridas Text La Veilleuse soll versucht werden, die kindliche Phobie jenseits der Berufung auf die Funktion des Vaters mit der Verkennung der Komplexität des Verhältnisses zur Mutter Zusammenhang zu bringen. Angestrebt wird dadurch, die psychoanalytische Theorie von ihrer Nostalgie nach intakten symbolischen Strukturen der Vergangenheit zu befreien, und die klinische Arbeit als Umgangsform mit Symptomen aufzufassen, die sich aus den sich jeweils anbietenden neuen Familiensituationen ergeben.

Literatur:

  • Freud, „Analyse der Phobie eine fünfjährigen Knaben“, in Studienausgabe, Band VIII
  • Lacan, Die Objektbeziehung (Das Seminar, Buch IV), Wien, Turia&Kant, 2000
  • Derrida, „La Veilleuse“, in Jacques Trilling, James Joyce ou l’écriture matricide, Belfort, Circé, 2001, S. 7-32

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Dernière modification October 13, 2009, at 12:53 AM